| Künstler*in | Markus Lüpertz |
| Material | Bronze, farbig gefasst |
| Technik | Bronzeguss |
| Maße | Höhe 10 Meter |
| Adresse | Charles-de-Gaulle-Straße 20 53113 Bonn |
| Bauherr | Deutsche Post AG |
| Standort | Direkt im Eingangsbereich vor dem Post Tower Route in Google Maps |
| Zugänglichkeit | offen zugänglich/ einsehbar |
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Vor dem Post Tower in Bonn, dessen Äußeres von Glas und Stahl dominiert wird, balanciert eine antike Figur auf einem dünnen Grat zwischen Mythos und Moderne. Die Skulptur "Mercurius" von Markus Lüpertz, eine farbig gefasste Bronzeplastik mit einer Höhe von zehn Metern, ist ein unübersehbares und eigenwilliges Kunstwerk. Der römische Gott des Handels, der Reisenden und der Diebe ist auf einer blauen Weltkugel dargestellt, die ihrerseits auf einer schiefen Scholle ruht. Unter dieser Konstruktion trägt ein nüchterner Sockel die gesamte Szenerie – ein Zusammenspiel aus Massivität und schwebender Unsicherheit.
Lüpertz' Merkur ist nicht als athletischer Held dargestellt, sondern als kantiger, beinahe plumper Akrobat. Mit kurzen Beinen, kräftigem Rumpf und einem geflügelten Helm balanciert er das Weltgeschehen mit einer Leichtigkeit, die zugleich ironisch und tief symbolisch wirkt. Die grobe Modellierung, die unregelmäßigen Farbflecken am Körper und das bunt bemalte Gesicht verleihen der Figur einen maskenhaften Charakter. Es entsteht der Eindruck, dass es sich um einen göttlichen Clown handelt, der seine Rolle als Vermittler zwischen Himmel und Erde neu interpretiert.
Die Skulptur wurde im Jahr 2007 im Auftrag der Deutschen Post geschaffen und vor dem Bonner Hochhaus des Unternehmens installiert. Lüpertz' Figur steht für das Spannungsverhältnis zwischen Macht und Leichtigkeit, zwischen göttlicher Distanz und menschlicher Unbeholfenheit. Formal und thematisch knüpft Lüpertz damit an seine langjährige Auseinandersetzung mit der Antike an. Seit den 1970er-Jahren übersetzt er klassische Mythen in eine rohe, expressive Bildsprache, die Pathos und Ironie in sich vereint. Der Mercurius fügt sich in diese Tradition ein, indem er nicht als Denkmal, sondern als Kommentar betrachtet wird.
Im Kontrast zur kühlen Architektur des Post Towers wirkt die Skulptur beinahe anachronistisch, als ein Fremdkörper aus einer anderen Epoche. Gerade in dieser Spannung entfaltet sie ihre Wirkung: Das Bronzegebilde mit dem bunt bemalten Gesicht konfrontiert die rationale, funktionale Welt der Wirtschaft mit einer poetischen, zugleich unbequemen Figur.
Markus Lüpertz hat mit dieser Darstellung nicht einfach einen Götterboten geschaffen, sondern ein Sinnbild für die fragile Balance zwischen Spiel und Ernst, zwischen antiker Größe und moderner Selbstinszenierung. Der dargestellte Merkur überbringt keine Nachrichten mehr, sondern er stellt Fragen.
Markus Lüpertz wurde 1941 im böhmischen Reichenberg (heute Liberec, Tschechien) geboren und lebt und arbeitet in Berlin und Düsseldorf. Nach einem Studium an der Werkkunstschule Krefeld sowie Aufenthalten in Düsseldorf, Paris und Berlin entwickelte er in den 1960er-Jahren seine "dithyrambische Malerei", die expressive Form, Mythos und Intuition verbindet. Seit den 1970er-Jahren entstanden zudem charakteristische archaische Skulpturen, die zwischen Pathos und Fragmenthaftigkeit oszillieren. Von 1988 bis 2009 bekleidete Lüpertz die Position des Rektors der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Seine Werke sind in zahlreichen internationalen Museen vertreten, darunter der Nationalgalerie Berlin und der Pinakothek der Moderne in München.



